Tagung

In/Tonation. Experimentelle Sprech- und Leseweisen nach 1945

// Datum: 15. und 16. November 2018 // Ort: Blue Square, Kortumstraße 90, 44787 Bochum //

Abstracts unserer TeilnehmerInnen finden Sie hier.
Weitere Infos zum Programm entnehmen Sie bitte unserem Plakat und unserem Flyer.

 

In/Tonation. Experimentelle Sprech- und Leseweisen nach 1945
(15. und 16. November 2018)

Die Metapher des ‚neuen Tons’ spielt in den für die Konstitution des Literaturbetriebs nach 1945 zentralen Selbstverständigungsdiskursen deutschsprachiger Autoren eine zentrale Rolle. Sie markiert zum einen die sprachkritische Forderung nach einer neuen geistigen Diktion, durch die die ideologisch korrumpierte Sprache des Nationalsozialismus gesäubert werden solle, zum anderen – und in einer gleichsam wörtlichen Lesart – artikuliert sich in ihr der Wunsch nach der akustischen Realisation eines neuen literarischen Sprechens, nach der stimmlichen Erprobung eines neuen Tons in der Literatur. Die explizite Suche nach einem solchen ‚neuen Ton’, nach einer sonoren Inszenierung des Literarischen, lässt sich als Reaktion auf eine stimmpolitische Zäsur verstehen, die mit dem Ende des Nationalsozialismus einhergeht. Die Korruption überkommener kommunikativer Ordnungen macht das Aushandeln neuer dispositiver Strukturen für das Wiederentstehen eines Literaturbetriebs notwendig, der zunächst auf die fragilen Resonanzräume mündlicher Kommunikativität setzt, in denen neue Inszenierungsstrategien von Mündlichkeit und stimmlicher Performanz als Formen sonorer Literarizität experimentell erprobt werden können.

Die Tagung sucht sich der Frage anzunähern, wie und in welchen Formen Stimme und mündliche Performativität maßgeblich dazu beitrugen, das literarische Feld in den Jahren nach 1945 neu zu konstituieren. Dabei soll das literarische Feld durch unterschiedliche Perspektivierungen so in den Blick genommen werden, dass sich auch die Verschränkungen explizit thematisieren lassen, die sich zwischen der diskursiven Aushandlung neuer Stimmkulturen in der literarischen Kommunikation einerseits und den Massenmedien oder institutionellen Räumen andererseits etablierten.